Ins Mark  

Es hat sich ausgeflauscht

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Der kuschelige Fransenteppich des Beta Lab, der Kaderschmiede für Jungdesigner, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das unterkühlten Highend-Loft, untergebracht im Pachleitner-Headquarter, nicht gerade prädestiniert für flauschige Kreativität war. Dem Prestigeprojekt von Landesrat Christian Buchmann (ÖVP) wird nun nach eineinhalb Jahren der Strom abgedreht. Es hätte nach vier Jahren mit zwei Millionen Euro Förderung auf eigenen Beinen stehen sollen. In einer Aussendung hieß es trocken, Buchmann lässt das Projekt "vorzeitig stoppen“. Von Verantwortung übernehmen keine Rede.

Zwar wurde das Projekt von der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) umgesetzt, aber das Lab hatte sich Buchmann ans Revers geheftet. Er hatte auch abgesegnet, dass dafür jährlich 160.000 Euro Miete an das Unternehmen des Grazer Brillen- und Schmuckhändlers Michael Pachleitner fließen. Ein bisserl viel. Der Kleinen Zeitung gegenüber meinte Buchmann: "Diese lässige Location war doch stimmig.“ Weniger lässig: Kreativität lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht bottom-up und nicht top-down.

Die Agenturen der Werbeszene hätten ins Beta Lab übersiedeln sollen, taten es aber nicht. Sie hatten wohl Angst, dass die subventionierten Jungen die Marktpreise zusammenhauen, es haben wohl auch Mitarbeiter der Agenturen aufgeschrien. Und so ein mit Steuergeldern hingesetztes Upper-Class-Labor schürt ziemlich sicher Neidgefühle. SFG-Geschäftsführer Burghard Kaltenbeck meinte gegenüber dem Falter: "Im Nachhinein ist man immer gescheiter, vielleicht hätte man tatsächlich etwas kleiner anfangen müssen.“ Hat man die warnenden Stimmen nicht gehört?

Tiz Schaffer ist Redakteur des Steiermark-Falter


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