Tiere

Fliegenfänger

Falters Zoo | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

So soll’s sein! Dank raffinierter Forschungsansätze wird endlich das bestätigt, was man sich selbst schon lange gedacht hat: "Sexueller Entzug erhöht den Alkoholkonsum.“

Nachgewiesen wurde dies jedoch nicht an jener Spezies, bei der dies offensichtlich scheint, sondern beim Lieblingstier der Genetik, der Drosophila, einer kleinen, rotäugigen Fliegenart. Männliche Fliegen wurden versuchsweise mit befruchteten und daher sexuell desinteressierten Weibchen zusammengesperrt. Die abgewiesenen Männchen nahmen also ihre Spermienpakete wieder mit und fraßen, genauer gesagt: schlürften lieber alkoholhaltiges Futter als die ebenfalls angebotene abstinente Variante.

Das ist jetzt noch nicht besonders überraschend, denn Drosophiliden ernähren sich normalerweise auch von überreifem Obst, das oft schon gärt und dadurch leicht alkoholischen Saft enthält. Die Frage ist nur, warum die abgewiesenen Liebhaber immer die Schnapsvariante wählten. War es jener Grund, aus dem bereits Wilhelm Buschs frischverwitwete Fromme Helene zur Flasche griff? "Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ Die Forscher äußerten sich jedoch nicht zu Gefühlen wie Liebeskummer, sondern fanden folgende Erklärung für das Verhalten: Nach erfolgreichem Sex wird mehr von der Nerventransmittersubstanz Neuropeptid F gebildet. Und genau der gleiche Botenstoff steht nach Alkoholkonsum vermehrt in den Nervenbahnen zur Verfügung und scheint die Stimmung aufzuhellen. Neuropeptid F gehört zu den sogenannten Glückshormonen, also jenen körpereigenen Drogen, die schmerzlindernd und entspannend wirken und Wohlbefinden hervorrufen. Die Jagd nach diesen gehört heute bereits zur Routine in jedem besseren Bobo-Haushalt. Das antidepressive Serotonin gibt’s in Schokolade, das Kuschelhormon Oxytocin in Nasensprays und für euphorisierende Endorphine muss man bis zum Runner’s High laufen. Und jetzt: Neuropeptid bei Beschwerden infolge Kopulationsstau!

"No woman, no cry“, wusste dazu Bob Marley, und auch der gestandene Fliegenbulle versteht sich darauf, einen Mangel zu kompensieren. Das bringt uns diese sonst so fremden Insekten ein gutes Stück näher! Also beim nächsten Mal eine Fliege nicht einfach mit der Hand auf dem Tisch zerdrücken, vielleicht ist es ein Kumpel, bei dem gerade nichts läuft und der nur in Ruhe seinen Frust runterspülen will.

zeichnung: püribauer.com


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