Neu im Kino

"Wer weiß, wohin?“: leicht bekleidet Richtung Frieden

Lexikon | Ludmilla Dittrich | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Das abgeschiedene, namenlose Dorf ist ein Stellvertreterort. Hier können universelle Mechanismen religiöser Konflikte in einem sinnbildlichen Gleichnis aus den Angeln gehoben werden.

Symbolisch stark aufgeladen beginnt die Tragikomödie "Wer weiß, wohin?“ ("Et maintenant, on va où?“) mit einer choreografierten Gruppe von Frauen, die sich geschlossen zum zweigeteilten Friedhof bewegen, um Ehemänner, Söhne und Brüder zu betrauern. Eigentlich ist mittlerweile Frieden im Dorf eingekehrt. Christen und Muslime treffen sich freundschaftlich in Amales (Nadine Labaki) Café. Doch, angestachelt durch Nachrichten der Außenwelt, drohen die Streitigkeiten unter den Männern wieder zu eskalieren. Um weiteres Blutvergießen zu verhindern und nicht "bis in alle Ewigkeit Schwarz tragen“ zu müssen, beschließen die Frauen mit trickreichen Manövern die Lage zu entspannen. Ukrainische Table-Dance-Damen, Sabotage am einzigen Dorffernseher, Haschkekse oder vorgetäuschte Wunder sind die Mittel der Wahl, um die Männer von ihren gegenseitigen Ressentiments abzulenken.

Die libanesische Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin Nadine Labaki stellt - wie bereits in ihrem Regiedebüt "Caramel“ - die Frauen in den Mittelpunkt der Erzählung. Mit einem Gespür für Ästhetik schafft sie ein ausgewogenes Bild der Protagonistinnen zwischen Verzweiflung und komödienhafter Konspiration. Dezent eingestreute Musicaleinlagen, die es nicht bräuchte, die aber auch nicht wehtun, zeigen den spielerischen Umgang mit Genrekonventionen.

Das Aufeinandertreffen von testosterongeladenen, gewaltbereiten Männern und gewitzten, manipulativen Frauen ist sicher nicht frei von Klischees, wird aber trotzdem zum unterhaltsamen Plädoyer für ein tolerantes Miteinander.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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