Neu im Kino

Kluger Spiegeleffekt — "Und dann der Regen“

Lexikon | Gerhard Midding | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Filme über das Filmemachen gehören in der Regel zu den entbehrlicheren Spielarten des Kinos. Allerdings gibt es ein verlässliches Richtmaß für sie: Gelungen sind sie meist dann, wenn am Ende die Frage unerheblich geworden ist, was aus dem Film im Film wohl werden wird. In der Schlussszene von "Und dann der Regen“ (Original: "Tambien la Lluvia“) wiegt ein Fläschchen mit ein paar Wassertropfen mehr als alle Träume vom Kino.

Ein spanisches Team will in Bolivien ein kritisches Epos über Christoph Columbus drehen und die Verheerungen, die die Entdeckung der Neuen Welt für deren Einwohner bedeuteten. Das Drehbuch von Paul Laverty, bekannt für die gern rechthaberische, aber stets packende Erregbarkeit seiner Szenarien für Ken Loach, führt die historische Geschichte klug (und ohne Pedanterie) parallel zur Chronik eines Aufstands, bei dem die Indigenen gegen den Raub ihres Trinkwassers durch einen multinationalen Konzern kämpfen. Auf den waffenstarrenden Kolonialismus folgt seine ökonomische Variante, an der auch die Filmproduktion Anteil hat. Daniel, einer der Statisten, soll sich als Glück und Verhängnis der Filmproduktion erweisen: Er spielt vor der Kamera wie im Leben voller Überzeugungskraft den Rädelsführer. Regisseur und Produzent müssen entdecken, dass Filme zu drehen nicht nur Verantwortung gegenüber künstlerischem Anspruch und Finanziers bedeutet.

Der großartige Luis Tosar (als Produzent) verleiht diesem Erkenntnisprozess noble Glaubwürdigkeit. Neben ihm und Juan Carlos Aduviri (Daniel) verblasst der offizielle Star des Films, Gael Garcia Bernal. Regisseur Iciar Bolláin inszeniert dieses vielschichtige Tauziehen mit einem schönen Gespür für Gesichter und Landschaften: Sie hat mehr im Blick als nur ihr eigenes Metier.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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