Vom Lachen an geschmacklosen Stellen

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Michael Simons inszeniert "Rechnitz (Der Würgeengel)“

Elfriede Jelinek hat eine Botschaft. Passend dazu sind es auch Boten, die in "Rechnitz. Der Würgeengel“ den großen Chorgesang zur NS-Zeit und ihrer Überlieferung anstimmen - Mittler der Mordanklage. Jelink zeigt dabei, was mit einer Botschaft so passieren kann. Die ihre nimmt Ab- und Umwege und wächst dabei zu einer nahezu allumfassenden Assoziationskette an: vom Massengrab zur Mörder- oder Schottergrube; ein wortreicher Österreich-Eintopf, genial und banal zugleich. Michael Simon hat sich in seiner unangestrengten und daher sehr gelungenen Inszenierung über diesen Zwiespalt nicht hinweggeturnt, er spielt mit ihm: mit Live-Blasmusik, lebendigen Lämmchen und Bühnenbildern, die einmal den Freischütz zitieren, einmal die Bergmassive eines Albin Egger-Lienz. Da wird kein Tonfall bemüht, weder Moral noch Zynismus. Die Darsteller Nicola Gründel, Steffi Krautz, Christoph Rothenbuchner und Stefan Suske liefern hochpräzise Musik- und Textarbeit, so dass dieses Drama das Publikum doch demaskiert. Nicht weil es ihm plakativ einen Spiegel vorhielte (oder sonst etwas), sondern weil es einen laut lachen lässt. Und zwar genau an den richtigen - den geschmacklosesten - Stellen. Ein erstaunlicher Abend.

Schauspielhaus Graz, Sa, Do 19.30


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