Kommentar 

Auf dem Weg zum Märtyrer: die Legende vom Heiligen Gerald

Kultur

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Jetzt muss er weg! Zwei Jahrzehnte lang fiel der Kunstmanager Gerald Matt durch sein eitles Gebaren auf. In der Gesellschaft der Sammler und Mäzene gab er den Künstler, als wollte er der Welt der Besserverdiener demonstrieren: Wien ist anders. (Siehe auch S. 31.)

Die blassen Sozialdemokraten fütterten ihren Paradiesvogel und sahen auch darüber hinweg, dass er mehr durch die Welt flatterte, als sich um seinen Job zu kümmern. Führungslos ging die Kunsthalle, eine Institution mit über 50 Mitarbeitern, in den letzten Jahren den Bach hinunter. Eine Mischung aus Arroganz und Unberechenbarkeit vertrieb selbst treue Vasallen. Am Ende musste er mit Kuratoren von der Reservebank ein Ausstellungsprogramm umsetzen, dessen eigentlicher Künstler Gerald Matt hieß.

Bei aller berechtigten Kritik am Managementstil und der Kompetenz von Gerald Matt hinterlässt dessen Abgang einen schalen Nachgeschmack. Wenn klare Worte gefordert wären, mutiert Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zum Marshmallow-Man.


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