Kommentar  

Die Kirche braucht Aufklärung: ein Sexkoffer für den Kardinal

Kirche & Sex

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Missbrauchsfälle in Klöstern, Abneigung gegen schwule Christen und die ewige Predigt gegen Kondom und künstliche Befruchtung: Die Kirche versteht offenbar nichts von Sexualität. Kein Wunder, was man nicht praktiziert, das kann man auch nicht begreifen. Aber aufklären kann man sich lassen.

Erstens: Homosexualität ist keine Krankheit. Sie kann daher auch nicht mit Keuschheit behandelt werden. Homosexuelle, die sich als Pfarrgemeinderäte engagieren, stehen nicht im Widerspruch zur Kirche, wie übrigens auch das Verhalten vieler schwuler Priester zeigt.

Zweitens: Sexualität mit Kindern ist ein Verbrechen und oft auch eine Erkrankung. Sie kann nicht nur mit Keuschheit behandelt werden, sondern auch mit Versetzung und Absetzung. Wer des anderen Kind nicht nur begehrt, sondern auch missbraucht (wie dies in Kremsmünster geschah), muss vors Strafgericht.

Drittens: Künstliche Befruchtung ist nicht "wider die Natur“, wie der Kardinal erklärt, sondern für viele Paare der letzte Weg, Kinder zu bekommen. Sowohl In-vitro-Fertilisation als auch Insemination sind daher nur das Bestreben, körperliche Defekte mittels medizinischen Fortschritts auszugleichen. Gott mag das, soferne es ihn gibt.

Viertens: Die Pränataldiagnostik ist keine Sünde, sondern eine Methode, schwerste Behinderungen so früh zu erkennen, dass die werdende Mutter ein würdevolles Leben führen kann. "Designerbabys“ will niemand.

Fünftens: Kondome ermöglichen es, Sex täglich zu praktizieren. Das ist keine Sünde, sondern gut.

Sechstens: Die Straflosigkeit der Abtreibung ist kein Mord, sondern dient der Bekämpfung von Todesfällen bei Engelmachern.


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