Am Apparat  

Wie oft sägen sich Menschen ihre Füße ab, Herr Reiter?

Telefonkolumne

Politik | Anruf: Ruth Eisenreich | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Ein arbeitsloser Steirer hat sich vor einer Gesundenuntersuchung, bei der seine Arbeitsfähigkeit abgeklärt werden sollte, bei vollem Bewusstsein den linken Fuß abgesägt und in den Ofen geworfen. Nach einer Notoperation ist er außer Lebensgefahr, der Fuß konnte jedoch nicht mehr angenäht werden. Der Gerichtsmediziner Christian Reiter kennt solche Fälle.

Herr Reiter, wie oft verstümmeln sich Menschen selbst?

Mir persönlich kommt alle paar Jahre ein Fall unter. Es ist nicht mehr so häufig wie noch in den 70er- und 80er-Jahren, weil die Versicherungen solche Fälle sorgfältig begutachten und sich das daher selten verheimlichen lässt.

Wie klärt man so einen Fall auf?

Nach solchen "Unfällen“ bekommen Sachverständige die medizinischen Unterlagen zur Beurteilung. Die können aus der Art der Wunden, der Schnittrichtung, aus Röntgenbildern und OP-Berichten darauf schließen, ob die Verletzungen durch ungeschicktes Hantieren oder absichtlich zustande gekommen sind.

Was sind die häufigsten Arten der Selbstverletzung?

Beinverletzungen und abgetrennte Extremitätenteile, zum Beispiel Finger. Besonders hellhörig wird man, wenn jemand sich seine Hände versichern lässt und dann ausgerechnet der kostbarste Finger verletzt wird.

Warum macht jemand so etwas?

Es gibt Selbstverstümmelungen als "Aufschrei“ von Personen, die auf sich aufmerksam machen wollen. Das ist meist psychiatrisch bedingt. In anderen Fällen hat es finanzielle Gründe, aber auch dafür bedarf es einer entsprechenden Persönlichkeitsstruktur.

Was passiert, wenn herauskommt, dass sich jemand selbst verletzt hat?

Die Versicherung wird es ablehnen, die entsprechende Haftung zu übernehmen. Das heißt, die Leute haben einen gesundheitlichen Nachteil, ohne dafür etwas zu bekommen. Die Versicherungen können auch Strafanzeige erstatten.


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