Fall Grasser: keine Akten aus Liechtenstein. Die Justiz hofft auf die Schweiz

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

 Kürzlich bat ein Staatsanwalt zum Hintergrundgespräch im Fall Grasser. Der Ankläger sagte: "Wenn wir in Liechtenstein und der Schweiz etwas finden, dann klagen wir Grasser an.“ Wenn nicht, "dann stellen wir den Fall ein“. Die Indizien seien stark, aber zu schwach für eine Anklage. Die Spur des Buwog-Geldes müsse bis ans Ende verfolgt werden.

Grasser kann aufatmen: Zumindest die Justiz in Vaduz will beschlagnahmte Dokumente von Grassers Treuhänder Heinrich Schwägler nicht herausrücken. Begründung: Anwaltsgeheimnis.

Die Brisanz der noch nicht rechtskräftigen Entscheidung (in Vaduz wird übrigens österreichisches Recht angewendet) wird erst klar, wenn man Schwäglers Rolle in dem Fall erklärt.

Er ist jener Mann, der Grassers 500.000 Euro (angeblich Geld der Schwiegermutter) bei der Treuhandgesellschaft Ferint anlegte. Von dort wanderte das Vermögen - vermehrt durch ein lukratives Hypo-Investment - an eine Zürcher Briefkastenfirma namens "Mandarin“. Von der Mandarin floss das Geld auf ein Konto bei einer Catherins Cooperation. Und wohin floss es dann? An die Schwiegermutter? Oder an Grasser? Oder liegt das Geld noch dort?

Das sollten die Vaduzer Unterlagen klären. Die Schwiegermutter bestreitet, etwas mit dem Geld zu tun zu haben. Und deshalb vermuten die Ermittler, dass das Vermögen in Wahrheit Schmiergeld ist und dass Grasser hinter der Ferint und der Mandarin steckt. Denn auch Teile der Buwog-Provisionen wurden von Grassers Trauzeuge Meischberger an Mandarin überwiesen. Offiziell als "Darlehen“, allerdings zu verdächtig ungünstigen Konditionen. Die Justiz vermutet, dass Meischberger Grassers Schmiergeld-Treuhänder war. Er bestreitet.

Die Schwägler-Unterlagen liegen in Vaduz, die Mandarin-Unterlagen in Zürich. "Die Schweiz“, sagt der Wiener Staatsanwalt, "ist für uns wichtiger als Vaduz.“ Wenn auch dort die Rechtshilfe versage, sei der Fall aber am Ende.


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