Nachgesehen  

Politik | Ruth Eisenreich | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Die letzte Zuflucht muss zusperren: Besuch in der Zweiten Gruft

Irgendetwas ist seltsam am Rücken des Mannes mit der Baseballkappe. Ein Griff, schon zieht ihm die Caritas-Mitarbeiterin eine Wodkaflasche aus dem Kragen. "Nur einen Schluck“, bittet der Mann. Der wird gewährt, dann wird die Flasche weggesperrt, in der Früh wird er sie wiederbekommen. Der Mann ist obdachlos und verbringt die Nacht in der Zweiten Gruft. Im ersten Stock der Caritas-Notschlafstelle im siebten Bezirk wird er essen und seine Schlafmatte ausbreiten. Unten ist der Frauenbereich, im zweiten Stock die Kleiderausgabe, zwei Frauen bringen rosa Pyjamahosen herunter.

Die Zweite Gruft wurde gegründet, als während der Audimax-Besetzung immer mehr Obdachlose im Hörsaal übernachteten. Doch im April müssen die Obdachlosen raus aus dem Haus - der Vermieter hätte lieber Kinder hier. Die Caritas sucht nun ein neues Gebäude. Der Falter findet das rein durch Spenden finanzierte Projekt gut, deswegen liegt der heutigen Ausgabe ein Erlagschein der Caritas bei.


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