Schwarzweiße Geschichten

Feuilleton | Reportage: Matthias Dusini | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Warum der berühmte Fotograf Erich Lessing mit 88 Jahren in der Wiener City einen Shop aufmacht

Schweigen ist nicht die Stärke des Fotografen Erich Lessing. "Das muss ich Ihnen noch erzählen“, sagt er dem TV-Journalisten, der ihn dazu bringen will, stumm auf das berühmte Porträt von Helmut Qualtinger zu deuten.

Es zeigt den Kabarettisten in einer Wiener Gasse stehend, die Hände in den Hosentaschen vergraben, mit dem misstrauischen Blick eines Grantlers. "Ich habe nur dieses eine Foto gemacht. Heute würde ein Fotograf mit einer digitalen Kamera hundert Bilder machen.“

Lessing ist Jahrgang 1923 und erlebte die Hochzeit der Reportagefotografie, des in Schwarzweiß gegossenen Augenblicks. Er war beim Ungarnaufstand 1956 dabei und 1955, als im Belvedere der Staatsvertrag unterzeichnet wurde.

"Alle waren im ersten Stock, um zu fotografieren. Ich hab draußen unter dem Balkon gewartet.“ Lessings Aufnahme von Außenminister Leopold Figl, der den frisch unterzeichneten Staatsvertrag wie


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