Bedacht wird hier der Avatar, doch auch die böse Minibar

Kirstin Breitenfellner | Feuilleton | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

 "Kulturkritiker sind Leute, für die zum Beispiel das Tätowieren mehr als nur eine Mode ist. Offensichtlich gehöre auch ich zu dieser zweifelhaften Berufsgruppe, denn ich bin bereit, in Karaoke mehr zu sehen als das unbegabte Jaulen etwa zu der Melodie, We Will Survive‘.“

Mit ihrer Fähigkeit, auch in Alltagsdetails große Zusammenhänge und Anlässe zu letzten Fragen zu entdecken und daraus so eindrückliche wie vergnüglich zu lesende Essays zu fabrizieren, gehört Dubravka Ugrešiæ zu den Meisterinnen ihres Fachs. Auch in ihrem neuen Band "Karaokekultur“ vereint sie anscheinend so disparate Themen wie Fandom und Avatare im Internet, das Idealdorf Drvengrad des serbischen Regisseurs Emir Kusturica, Gobelinstickerei, die Tyrannei der Minibar und eine Phänomenologie der Fliege. Und in dem Essay "Eine Frage der Optik“ beschreibt sie noch einmal eindringlich die Vertreibung aus ihrer Heimat sowie die Strategien einer in den Faschismus kippenden Gesellschaft.

Die Beschäftigung

  474 Wörter       2 Minuten
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