Das Leopoldstädter Gefühl

Feuilleton | Porträt: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Der Wahlwiener Helmut Schödel ist Theaterkritiker, schreibt aber lieber über das richtige Leben

Helmut Schödel wohnt nicht im Elfenbeinturm, sondern in der Novaragasse. Er ist einer der bekanntesten und auch besten Feuilletonisten des deutschen Sprachraums, versteht sich aber als Reporter. Er schreibt Theaterkritiken für die Süddeutsche Zeitung, aber in dem neuen Schödel-Sammelband, der gerade erschienen ist, spielt das Theater nur am Rand eine Rolle.

Dafür ist einer der Texte seinem Stammlokal, dem Café Heine, gewidmet und dem "Leopoldstädter Gefühl“, das er damit verbindet. Das Café Heine, gleich um die Ecke von Schödels Wohnung gelegen, ist weder schön noch schick, aber wer bei der Lokalwahl auf solche Äußerlichkeiten Wert legt, ist hier sowieso falsch.

Schödel schätzt daran vor allem, dass er hier in Ruhe arbeiten kann. Weil Schreiben ein einsames Geschäft ist, hat er stets in Kneipen geschrieben, und zwar vorzugsweise in solchen, in denen keine Feuilletonleser verkehren.

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