Diesseits in der

Stadtleben | Lokalaugenschein: Sibylle Hamann | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Hier feierten einst Politiker und die Schickeria nebst Nobodys rauschende Nächte. Inzwischen ist der Glanz der Eden verblichen

Man kennt doppelflügelige Schwingtüren aus Cowboyfilmen. Um im Wilden Westen stilecht einen Saloon zu betreten, genügte wahrscheinlich ein lässiger Schlag aus dem Ellbogengelenk. Oder, spektakulärer, ein gezielter Tritt mit der dreckigen Stiefelspitze.

Auch die Eden-Bar hat eine doppelflügelige Schwingtür. Doch die funktioniert anders. Hat man dem Garderobier im kleinen Foyer erst einmal seinen Mantel in die Hand gedrückt und nähert sich der Tür, öffnet sie sich von selbst, wie von Geisterhand. Nein, da ist keine Lichtschranke. Kein elektrischer Automatismus. Ein livrierter Ober hält den linken Flügel, ein zweiter livrierter Ober den rechten. Guten Abend, gnädige Frau. Man fühlt sich unendlich wichtig, unendlich geschmeichelt in diesem Moment.

Die Eden-Bar ist ein seltsamer Ort. Liliengasse 2, gleich hinter dem Stephansdom: Jeder Taxifahrer findet ihn.


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