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Regt euch auf!

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Was hat euch Trottel so kaputt gemacht?“, lautete einer der Slogans, mit denen sich Bürgermeister Siegfried Nagl vor einiger Zeit an Vandalen wandte, die den Stadtpark oder das Univiertel verunstalten. Die halbstarken Töne sorgten für Aufregung, gebracht haben sie bisher wenig.

Vergangene Woche erhitzten erneut Plakate mit aggressiven Texten die Gemüter. Diesmal ging es um Rassismus. "Eing’wickelte Sau“ stand etwa über dem Foto einer Muslimin mit Kopftuch, "Zigeuner-Schlampe“ über dem Bild eines jungen Mädchens. Die Gratiszeitung Woche bekam die Plakatsujets offenbar aus dem Umfeld des Bürgermeisters vorab zur Verfügung gestellt. Das Kleingedruckte: "Wie würdest du dich fühlen, wenn jeden Tag jemand eing’wickelte Sau zu dir sagt? Rassismus verletzt - auch ohne Fäuste!“ war nur schlecht lesbar.

Diesmal waren dem Bürgermeister die starken Worte allerdings zu viel: Er soll von den Plakaten nichts gewusst haben und ließ rasch verlauten, es handle sich bloß um Entwürfe. Dem Vernehmen nach hat auch der Wetzelsdorfer Bezirksvorsteher protestiert, da ein Slogan lautete: "Alle Wetzelsdorfer sind Drogendealer.“ Das stimme doch gar nicht! In der Krone hagelte es Kritik. Die Plakate seien "völlig jenseitig“. Diesmal handelt es sich jedoch nicht um erfundene Slogans, die bloß provozieren sollen. "Sie stammen aus dem europäischen Antirassismusbericht“, erklärt Klaus Starl vom Trainingszentrum für Menschenrechte (ETC), das an dem EU-Projekt mitwirkt. Man mag von den Sujets halten, was man will, Fakt ist, dass Menschen auf unseren Straßen täglich mit solchen Aussagen konfrontiert sind. Jenseitig, dass sich in der aktuellen Diskussion darüber keiner aufregt.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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