Selbstversuch

Wir sind doch alle Helden, irgendwie

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Das ist jetzt aber nicht wahr. Ich habe, anders als der Lange, die "Clone-Wars“-DVD zum Laufen gebracht. Ich habe ungefähr zwölf Stunden lang den Tischtennistisch zusammengebaut und dabei mörder geflucht. Ich habe die Klospülung repariert; gut, dabei hat der Horwath geholfen, der gerade im Haus herumstand und aufgrund fastenzeitbedingten Temperenzlerns beide Hände frei hatte. Und als der Lange sagte, "machen wir noch schnell das mit dem Wasser“, haben "wir“ das mit dem Wasser gemacht.

Das bedeutet, dass der Lange in der Küche steht, angestrengt auf den Thermostat schaut und den Druckzeiger beobachtet, wie er auf die rote Markierung zuruckelt, während ich die Schlauchanschlüsse suche und montiere, eine Verbindung zwischen Heizkörper und Wasserhahn herstelle und dann mit einer großen roten Rohrzange im feuchten Schmutz knie, das halbhiniche Ventil öffne, mich aus den Heizkörpern mit frostschutzglitschigem Wasser anspritzen lassen und wieder fluchen muss, weil ich das Scheißventil nicht mehr zubekomme, nachdem der Lange STOPP gerufen hat. So machen wir das mit dem Wasser.

Ist okay. Ich kann das. Passt auch so, dafür kann der Lange besser gleichzeitig vier Beilagen schmoren und ein großes Stück Fleisch auf den Punkt grillen, das Auto in die Werkstatt bringen, den Mist wegfahren und immer alles einkaufen. Passt. Was nicht passt, ist das Blatt Papier, das ich selbigen Tages auf dem Tisch finde, mir mit meinen schrundigen Händen vor die Augen führe und entziffere, was darauf in Mimischrift gekritzelt ist:

"Mein Papa ist ein Held.

Meine Schwester ist süß und nett.

Meine Freundin ist lustig und gescheit.

Meine Mama ist immer schick.“

Aha.

Das darob nach seinem Geisteszustand befragte Kind argumentiert, das sei ein uralter Zettel, als es den geschrieben habe, sei es noch viel jünger und dümmer gewesen.

Du warst neuneinhalb, als du das geschrieben hast. Jetzt bist du neundreiviertel.

Äh, hm, vielleicht war ich müde. Oder es war nur im Spiel. Du bist eh super. Darf ich jetzt mein Tipi weiterbauen?

Ja, renn und rette dein Leben.

Die Frage ist aber schon, warum das Mimi das so sieht. Woher hat sie dieses stereotype Denken, dass Männer mutig sind und Frauen anmutig? Zu Hause sieht sie es jedenfalls nicht. In Facebook kommentierte ein Kollege und Vater mehrerer Kinder, bei ihm zu Hause sei er "da nützliche Trottl“, der einkaufen gehe und koche und deswegen Ausreden brauche, wenn er eine Deadline nicht einhalten könne, während die Frau abends mit einer Legoschachtel eintrudle und dann die "Zampana“ sei. "That’s 2012, girls!“

Das hoffe ich ja nun nicht. Einfach nur die Verhältnisse umdrehen? Na. Wir sind doch alle Helden. Ja. Jemand sollte es noch den Kindern sagen.


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