Menschen

Alter Falter!

Falters Zoo | Barbara Schellner, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Offenbar ist die Berlinerin Sarah Kuttner das hektische wie gefährliche Großstadtleben nicht gewohnt. So berichtete die romanschreibende Fernsehmoderatorin bei ihrer Lesung im Wiener Rabenhof von einem aufregenden Tag in unserem schönen Städtchen. Mehrfach fast überfahren worden sei sie. Und dickgegessen habe sie sich, weil es an jeder Ecke Asiafood gäbe. Frau Kuttner hat hoffentlich nicht diese Drecksnudeln aus der Pappschachtel gefuttert, die sich der gemeine Stadtmensch seit neuestem im Gehen reinpfeift, oder? Außerdem war Kuttner auf der Kärntner Straße bei H&M (um festzustellen, dass es da genau dasselbe gibt wie bei H&M in ihrer Heimatgemeinde), hat eine Sachertorte gekauft und Müllbeutel beim DM. Wieso denn das? Weil es beides offenbar in der deutschen Hauptstadt nicht gibt. Alter Falter! Diese Redewendung benutzt Kuttner relativ häufig als Ausruf ungläubigen Erstaunens. Dann las sie aus ihrem neuen Buch, "Wachstumsschmerz“, vor, beantwortete Zuschauerfragen ("Gehst du nachher eine mit mir rauchen“ - die Autorin wollte aber lieber alleine rauchen) und erzählte, was ihr Hündchen Rakete, das sie normalerweise bei Lesereisen begleitet, auf der Bühne für tolle Kunststückchen gemacht hätte. Wäre Rakete dabei gewesen. Aber. Rakete ist offenbar zu dick fürs Flugzeugfliegen. Und Wien ist sicher viel zu gefährlich für Berliner Hündchen. Oh, wie schade!

In der restlos ausverkauften Roten Bar im Volkstheater präsentierte das Wiener Popduo Tanz Baby! am Freitag sein zweites Album, "Staub oder Stern“. Ausgesprochen glamourös gekleidete Damen und Herren drängten sich dicht an die Bühne, um Baby-Sänger David Kleinl - wie immer stilvoll im blütenweißen Smoking - möglichst nah zu kommen. Der blieb seinem Ruf als exzellenter Entertainer gerecht. Hit folgte auf Hit, kleine technische Probleme wurden mit Mini-Megafon, Akustikeinlage und lautem Mitsingen seitens des Auditoriums kurzerhand überspielt. Statt Sternenstaub gab’s zwar nur Konfettikanone und Luftballons, das störte aber im Volkstheater niemanden. Schön.

Bei diesem Nachnamen bleibt einem fast nichts anderes übrig, als eine Sau durch die Stadt zu treiben. Die Künstler Nikolaus und Barbara Eberstaller aus Gols protestierten vergangene Woche in der Hauptstadt gegen "die Gier auf Kosten anderer“ mit einem Wien-Wandertag. Mit dabei war das Schwein Marie Cochon, der man all den Luxus hier zeigte. Schon einen Tag später ließ sich das Schwein durch Berlin und über den Kurfürstendamm spazieren rollen.

War Heimo Zobernig jetzt eigentlich da oder nicht? Hutfabrikant und Modeunternehmer Klaus Mühlbauer hatte zum Saisonstart in die Seilergasse geladen. Vorgestellt wurde bei einer vielleicht etwas sehr verschlafenen Minimodenschau nicht nur die Sommerkleiderkollektion, sondern auch die aktuelle Hutkollektion des Wiener Labels - unter anderem auch jener Hut, den Künstler Zobernig für die Maison Mühlbauer entworfen hatte.

Überhaupt war das schon wieder eine richtige Modewoche, dabei hat doch niemand "Fashion Week“ gesagt. Im Hotel Le Meridien gab’s ein "Fashion Check-in“, dessen fashionabelster Gast Boy George war. Genau: der Boy George aus den 1980ern. Und dann wurden auch noch die Vienna Awards für Mode und Lebensstil verliehen. Stargast hier: Model Karolina Kurkova, die "Kaykay“ aus dem Mannequinsuchfernsehen. Kennen Sie nicht? Alter Falter! Müssen Sie auch nicht.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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