Neu im Kino

Wirf die Nebelmaschine an: "Die Frau in Schwarz“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 13/12 vom 28.03.2012

Man kennt das ja: Die Erwachsenen sind ruppig, die Kinder unheimlich, die Todesfälle mysteriös am Land in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Statt eines weißen Bandes ist hier aber eine geisterhafte "Frau in Schwarz“ das Emblem unversöhnlicher Klassen- und Generationenfronten. In dieser Adaption eines populären Schauerromans von 1983 ist der Grusel mehr eine Sache knarrender Türen als sozialen Unbehagens: Ein verwitweter Anwalt reist aus London an, um die Hinterlassenschaft einer wohlhabenden Verstorbenen zu regeln. In deren Anwesen im Sumpfgebiet nistet ein schwarzer Schemen.

Heritage-Kino, also filmgewordene Rückversicherung britischer Tradition, ist "Die Frau in Schwarz“ nicht nur in seiner Hingabe an viktorianische Interieurs und einen handlungswichtigen Rolls-Royce: Den Advokaten gibt (überzeugend gramgebeugt) Daniel Radcliffe, als "Harry Potter“ die vergangenen zehn Jahre über selbst das Gesicht eines britischen Welterfolgskulturerbes. Vor allem aber ist dies die bislang prominenteste Eigenproduktion der wiedererstandenen Filmfirma Hammer, die damit an ihre legendäre Marke aus den 1950er- und 1960er-Jahren - harte Schocks in gediegenen Kulissen - anzuschließen versucht. Aus diesem Anlass schmeißt Jungregisseur James Watkins ("Eden Lake“) die Nebelmaschine an und breitet allerhand alten Horrornippes aus: krächzende Raben, huschende Schatten und nasse Fußspuren, sogar ein Aufziehäffchen, das wild seine Maracas schüttelt. Letzteres Bild fällt ein wenig aus dem Rahmen eines Films, der sich mit mäßigem Gewinn ernst und melancholisch gibt. Der Automatenaffe fasst aber gut zusammen, was Watkins dann doch passabel leistet: Horror als Abfolge mechanischer An- und Entspannungen, die sich im Moment erschöpfen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village)


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