Tipp Pop

Xiu Xiu im Wuk: Musik, die unter die Haut geht

Lexikon | aus FALTER 14/12 vom 04.04.2012

Wenn eine Website den Vermerk trägt, dass ein gewisser Bereich erst von Personen über 18 Jahren genutzt werden sollte, ist das nicht weiter ungewöhnlich. Eine Bandwebsite, die so eine Rubrik hat, ist aber nicht ganz alltäglich. Aber gut, Xiu Xiu ist ja auch keine ganz alltägliche Band. Wer auf ihrer Website xiuxiu.org die "Over 18 only“-Abteilung anklickt, findet dort reichlich nackte Haut, aber kaum Schweinkram im klassischen Sinn. Die Fotos zeigen anonymisierte Fans der Band und ihre Tätowierungen, ihre Fetische, ihre Schnauzbärte, ihre Piercings oder ihre Verletzungen.

Die Musik von Xiu Xiu geht unter die Haut. Bei manchen Fans offensichtlich im wahrsten Sinne des Wortes, wie das Cover des neuen Albums "Always“ verdeutlicht, das ein formschönes Tattoo von Bandname und Albumtitel ziert. Die Bilder im Booklet zeigen Brandnarben oder Schnittverletzungen, und bereits die ersten Zeilen der Platte machen Xiu-Xiu-Novizen unmissverständlich klar, was es hier geschlagen hat: "If you are wasting your life say hi / If you are alone tonite say hi / If you wish he should die say hi.“ Das Vorgängeralbum hieß, auch nicht fad, "Dear God, I Hate Myself“.

Xiu Xiu, das ist vor allem der US-Musiker Jamie Stewart, der die theatralische Band seit der Jahrtausendwende mit wechselnden Mitstreitern leitet; das erste Album "Knife Play“ feiert heuer seinen zehnten Geburtstag. Die Musik klingt nach wie vor, als hätten sich der Artpop-Opernsänger Klaus Nomi und die Postpunk-Existenzialisten Joy Division mit Schrottplatz-Equipment daran gemacht, eine experimentelle Hommage an David Bowie zu produzieren. Sehr eigenwillig also, bisweilen durchaus anstrengend, oft eindringlich und bei aller Lust an der Verstörung doch immer wieder berührend und schlichtweg auch sehr schön. "Always“ unterstreicht das einmal mehr eindrucksvoll. gS

Wuk, Mo 20.00


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