Neu im Kino

Eine böse Königin namens Julia: "Spieglein Spieglein“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 14/12 vom 04.04.2012

Am Ende kommt sie doch noch mit dem roten Apfel, aber dann ist es für die böseste aller Stiefmütter bereits zu spät: Schon wieder hat Schönheit, also die Jugend gewonnen. Das war schon in den Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen nicht anders, aber wenigstens braucht Julia Roberts in "Spieglein Spieglein“ nicht die vermeintliche Leber und Lunge von Lily Collins als Schneewittchen zu essen. Regisseur Tarsem Singh kümmert sich aber ohnehin wenig um die dem Märchen eingeschriebenen Mythen und Symbole - sei es der Narzissmus, seien es die Farben oder die Zahlenrätsel. Das ist erfreulich, denn so dominieren die exaltierte Königin als eine Art abgehalfterter Hollywoodstar des Märchenmittelalters und die sieben Zwerge in ihrer Baumhöhle als hochstaplerische Wegelagerer und neues Prekariat das Geschehen. In wenigen Wochen, wenn der Kampf zwischen Superhexe und Schneewittchen im Fantasy-Blockbuster "Snow White and the Huntsman“ in die Verlängerung geht, wird sich erneut zeigen, dass das Faszinierende an Märchen seit jeher ihre Fähigkeit ist, auch als Film die Zeiten und Moden zu überdauern.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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