Neu im Kino

Stahlharter Lachzwang: All-Nazi-Trash "Iron Sky“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 14/12 vom 04.04.2012

Der Titel ist Programm: In "Iron Sky“ ist vieles aus Eisen, fast alles stahlgrau getönt; es gibt manch imposantes Bild digitaler oder physischer Metallarchitektur. So auch bei der Raumschiffschlacht zwischen den USA und Invasoren, die von versteckten Mondbasen ihren einstigen Heimatplaneten zurückerobern wollen. Eisern ist der Himmel und himmelweit offen das Panorama chaotischer Satire. Ein wenig wie Tim Burtons (viel schlauerer) "Mars Attacks“ stellt dieser Sci-Fi-Klamauk alle als hässlich, korrupt und neurotisch hin: stramme Invasoren, die US-Präsidentin mit Slogan "Yes, she can“ und verlogenem Buhlen um schwarze Wähler, ihren Stab, UN-Delegierte im Dauerzank. Bezieht sich "Iron“ hier etwa auch auf das stahlharte Gehäuse zwanghafter Ironie? Regie führt Timo Vuorensola. Er hat den Industrialclowns Laibach einen platten Soundtrack und potenziellen Fans per crowd funding Vorausinvestitionen in diese finnisch-deutsch-australische Produktion abgetrotzt. Tolle Geschäftsidee, ab sofort Fallstudie im BWL-Grundkurs.

Die Sache hat noch einen Haken - und die Raumbasis einen Hakenkreuzgrundriss. Die Invasoren sind Nazis, 1945 auf den Mond geflohen. Nazismus ist hier Teil eines Rundumblicks, der konstatiert: Alle spinnen; manche tragen dabei SS-Uniform. Das ist vom Ansatz her falsch. Zum Vergleich: "Inglourious Basterds“, auf dessen Herd auch "Iron Sky“ sein Kultsüppchen kochen will, war ein Film mit klarem Fokus: Nazismus als Gewaltpolitik aus Rassenhass - und das im Kino bislang marginalisierte Bild jüdischen Widerstands dagegen.

Darf man über Nazis lachen? Diese ohnehin sinnlose Frage stellt sich hier nicht: "Iron Sky“ zielt erstens nicht auf Nazis (oder politische Aspekte ihrer Medienbilder), sondern auf Allzumenschliches (das er auch nicht trifft) und bietet zweitens nichts zum Lachen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige