Meinesgleichen

Wie plant man eine Stadt?

Falter & Meinung | aus FALTER 14/12 vom 04.04.2012

Wenn das Abenteuer zum Greifen nah ist, macht es gerne Pause. Die Vorstellungskraft erlahmt bei Gegenständen in unserer Nähe, je greifbarer sie scheinen, desto schneller. In Wien-Donaustadt wird derzeit ein Stadtteil in die grüne Wiese geplant, die Seestadt Aspern, mit einer U-Bahn-Station mittendrin, die ab nächstem Jahr in Betrieb geht. In kurzer Zeit sollen 2000 bis 3000 Wohnungen folgen. Was immer man daran kritisieren mag (abweichende Meinungen auf Seite 34 im Stadtleben), das Projekt bleibt faszinierend, denn bei aller Detailverliebtheit der Masterpläne lässt sich naturgemäß nie genau planen, wie eine Stadt im Einzelnen dann aussieht. Anrainer und alle Wiener sollten sich für die Sache interessieren.

Man hofft, mehr Hausgemeinschaften (nach dem Muster der Sargfabrik) zu gewinnen, die die Planung ihres Wohnhauses gemeinsam in die Hand nehmen. Bisher sind es vier. Wir Stadtbewohner haben nun die Möglichkeit, in Echtzeit zuzusehen, wie im Zeitraffer ein Stadtteil aus der grünen Wiese wächst, Unvorhersehbarkeiten inklusive. Den Planern ist es wichtig, den öffentlichen Diskurs anzustoßen. Sie setzen dabei nicht nur auf Journalisten, sondern auf Literaten und Kulturvermittler. Aspern hat allein drei "Stadtschreiber“. Die spannendste Frage aber bleibt: Ist es möglich, nicht nur Architektur zu planen, sondern jene soziale Qualität, die eine Stadt ausmacht? Denn Stadt ist weniger eine gegebene Menge von Gebäuden und Verkehr als ein spannendes Gemenge urbanen Lebens.

Artikel

"Acker der Träume“ von Birgit Wittstock, Seite 34


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