Am Apparat  

Wieso wollte Glock Sie mundtot machen, Herr Patzelt?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 14/12 vom 04.04.2012

Wie kommt eine Waffe des internationalen Kärntner Waffenkonzerns Glock trotz Waffenembargos in den Sudan? Das wollte der Chef von Amnesty International Österreich, Heinz Patzelt, vor einigen Jahren von Glock wissen. Anstatt die Sache aufzuklären, verklagte Glock Amnesty. Glock gilt als besonders klagsfreudig. "You dont mess with Gaston Glock“, schrieb einmal das Forbes-Magazin. Nach fünf Jahren vor Gericht wurde der Prozess nun entschieden.

Herr Patzelt, wie ist das Verfahren gegen Glock ausgegangen?

Wir haben gewonnen. Es war ein langer und ungewöhnlicher Prozess.

Wieso?

Wir haben Glock nichts vorgeworfen, wir fragten bloß, wie eine Glock-Pistole aus Österreich trotz Waffenembargos in den Sudan kommen konnte.

Wieso wussten Sie, dass die Waffe dort war?

Ein Journalist hatte sie am Armaturenbrett eines Rebellen gesehen und sich die Seriennummer notiert.

Was sagte Glock dazu?

Sie sagten, das könne nie eine Glock-Pistole sein, denn man lege Wert auf genaue Dokumentation beim Export und Glocks Kunden seien seriös. Glock vermutete, die Waffe sei eine Fälschung. Doch damit kam der Waffenkonzern nicht durch. Ein Kunde Glocks hatte sie offenbar dorthin gebracht.

Was haben Sie nun über Glock gelernt?

Es war interessant zu erleben, wie desinteressiert und abwehrend die Firma war. Glock exportiert seine Waffen ja vor allem an institutionelle Abnehmer, etwa an Polizeieinheiten. Umso überraschender war die Einschüchterungsklage.

Ist das eine Strategie von Gaston Glock?

Bei uns funktioniert so eine Strategie nicht. Amnesty International lässt sich durch eine Kärntner Waffenfirma nicht mundtot machen.

Interview: Florian Klenk


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