Die Ausweitung des Opferschutzes ist ein juristischer Fortschritt, hat aber auch seine Schattenseiten


Florian Klenk
Feuilleton | aus FALTER 14/12 vom 04.04.2012

 Wozu dient ein Strafprozess? Die Antwort, die Generationen von Juristen gelernt haben: der General- und der Spezialprävention; potenzielle Täter sollen abgeschreckt, die Gesellschaft in ihrem rechtskonformen Verhalten durch die Abstrafung des Rechtsbrechers bestätigt werden. Und das Opfer? Es war bloß Zeuge. Es hatte unter Wahrheitspflicht auf Fragen zu antworten. Welche Unterhose trug der Vergewaltiger? Welchen Minirock die Frau Zeugin?

Sehr oft brachen die Opfer in solchen Verhören zusammen. Ihre Aussagen waren wertlos, ihre Würde erneut ruiniert, der Täter ein freier Mann. Dass die Strafrechtswissenschaft in den 1990er-Jahren langsam auch die Ansprüche des Opfers entdeckte, geschah aus humanitären, aber auch aus ganz pragmatischen Gründen: Nur ein Opfer, das im Gerichtssaal psychologisch gestärkt und professionell auftritt, ist als Zeuge zu gebrauchen.

Es kam zu einer Professionalisierung der Opferschutzeinrichtungen und Prozessbegleiter. Nicht nur die "Täterarbeit“, also

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