"Das Missbrauchsopfer ist heute zum Herztrumpf geworden“

Feuilleton | Interview: Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 14/12 vom 04.04.2012

Christian Kohner-Kahler arbeitete zehn Jahre als Bewährungshelfer bei einem Täterverein. Er ist Psychoanalytiker, Supervisor und Philosoph und schreibt gerade an einer Dissertation: Thema "Opfer als neue Subjektivierungsform“. Die Bildungswissenschaften, so seine These, hätten den neuen Opferbegriff, wie er in den Medien verhandelt wird, noch nicht zur Kenntnis genommen.

Falter: Wie sind Sie auf das Opferthema gestoßen?

Christian Kohner-Kahler: Das hat damit zu tun, dass vor einigen Jahren Budgetmittel für die Täter immer knapper wurden, sodass es opportun erschien, auch die Opfer mitzubetreuen und in einer Kampagne mitzubewerben. Monetär ist das zwar nicht aufgegangen, aber wir haben seitdem die Opferperspektive dennoch verstärkt in die Arbeit mit Tätern aufgenommen. Im Gegensatz zu den 1970er-Jahren, wo es hieß, dass auch der Täter ein Opfer sei, kann man die Arbeit mit Tätern heute besser verkaufen, wenn sie als Opferschutz deklariert wird.

Was hat sich seitdem verändert?


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