Neu im Kino

Kapitalflucht aufs Plumpsklo: "Headhunters“

Lexikon | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Die Adaption des norwegischen Bestsellers "Headhunters“ wird als großer Skandinavienexport nach den "Millennium“-Krimis beworben, hat aber mit traumatophilen Rätselspielen Larsson’scher Prägung wenig zu tun. Um die Mitte versprüht dieser Thriller etwas Wirtschaftsverschwörungsparanoia; davor aber zelebriert er zu Bossa-nova-Beschallung Gebrauchscoolness, wie sie auch seine PR-Linie prägt. Arroganter Spitzenjobvermittler mit Doppelleben als Kunstdieb lässt - per Businessmeeting-Männerritual oder Off-Kommentar - allerlei Berufsweisheit auf uns los: Wie der Kunstmarkt basieren auch Lebenslaufbahnen auf fiktiven Werten, auf "Renommee“. Wenn uns nicht schon die Rückenansicht seiner Gattin, Galeristin von Beruf, beim Duschen im Designerhaus sprachlos gemacht hat über so viel Savoir-vivre, sind wir spätestens durch solche Einsichten geflasht und bereit für die Lektion, dass alles unecht ist und nichts wie es scheint.

Schneller als wir "Coen-Brüder!“ sagen können, kippt hier ein Plan ins Desaster, wird der Dieb zum Gejagten, bis dass er hilf- und haarlos zur Demut vor dem Leben findet. Im Survivalthriller-Abschnitt des Films, der die stupende Doppeldeutigkeit der Berufsbezeichnung Headhunter ausspielt, macht die Regie von Morten Tyldum gut Druck und entfaltet irrwitzige Situationen in Wald, Schlucht und Plumpsklo. Vom heist movie in "Oceans“-Manier über Paranoia im Fincher-Barock des hohlen (doppelbödigen) Luxus bis zur Rettung des nackten Lebens im Gatsch wie im zerknirschungsethischen Horrorkino: Diese drei zuerst separat aktivierten Brennstufen werden zuletzt gleichzeitig gezündet. Ergibt drei Filme in einem, also insgesamt einen immer wieder halbwegs guten. Bonus für den österreichischen Kinomarkt: Rotschopf Aksel Hennie, der burschikose Hauptdarsteller, sieht aus wie Niko Pelinka. Wenn er grinst. DR

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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