Kommentar  Digitale Kultur

Im Pixelfieber: Warum Google kein gutes Kunstmuseum ist

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Pieter Bruegel d. Ä. endlich in sieben Milliarden Pixeln! Seit Jahrhunderten hat die Menschheit darauf gewartet. Anfang des Monats gab das US-Unternehmen Google bekannt, dass sich die Bundesmuseen an seiner Internetgalerie beteiligen.

Die Albertina und das Kunsthistorische Museum werden, so wie die anderen großen Museen der Welt, ihre Meisterwerke im Rahmen des Projekts Google Art Project ins Netz stellen. Euphorisch verkünden die Betreiber des Projekts, nun könne der Kunstfreund in Delhi das Wiener Gemälde eines Renaissancemalers am Bildschirm so genau ansehen, als würde er seine Nase drauf drücken.

Damit ja nicht der Verdacht des Kulturkolonialismus aufkommt, kommen auch Werke asiatischer und afrikanischer Künstler in die digitale Galerie. Bereits Ende der 1990er-Jahre verfielen die Museen in ein Pixelfieber. Der New Yorker Kunstkonzern Guggenheim kündigte das virtuelle Museum als werbewirksame Modernisierung an, ehe 2001 die Dotcomblase platzte und viel heiße Luft in die Weiten des Cyberspace entwich.

Auch Googles superscharfe Reproduktionen machen aus dem Internet kein gutes Kunstmuseum. Die Pigmente zu betrachten, mit denen Bruegel seine Bauarbeiter malte, ist in etwa so interessant wie die Darmflora von Lady Gaga. Google hängt dem anachronistischen Glauben an eine Wissensvermehrung durch größere Sichtbarkeit an; die große Zeit der Teleskope und Mikroskope war das 19. Jahrhundert.

Unsichtbar bleibt dabei ein anderes Motiv. Auf Google befinden sich zahllose, urheberrechtlich fragwürdige Inhalte. Gemeinsam mit Bruegel sollen sie zum Allgemeingut downgegradet werden.


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