Günter Grass wirkt auf paradoxe Weise

Kommentar: Eva Menasse | Falter & Meinung | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Die Reaktion der Öffentlichkeit auf sein Israel-kritisches "Gedicht“ könnte eine überfällige Debatte anstoßen

Nur tote Juden sind gute Juden. Das ist die kürzeste Formel, mit der man von Ahmadinedschad und Hamas zu deutschen Mahnern wie Günter Grass kommt. Der Unterschied, den man durchaus qualitativ nennen darf, ist, dass Erstere die Juden aktiv zum Tode befördern wollen, was man Letzteren nicht vorwerfen kann. Sie würden es bloß schulterzuckend in Kauf nehmen, wenn Erstere täten, was sie täglich ankündigen, während sie selbst damit beschäftigt sind, ihre NS-Gedenkstätten mit frischen Blumen zu bepflanzen. Aber für die Juden macht das wenig Unterschied.

Die Verpflichtung zum immerwährenden Gedenken an jene Juden, die man damals millionenfach umgebracht hat, steht im Zentrum des modernen deutschen Selbstverständnisses. Keine dörfliche Synagoge, die nicht teuer rekonstruiert würde, auch wenn es gar keine Juden mehr gibt, die darin beten könnten. Hauptsache, sagt man

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