Am Apparat  Telefonkolumne

Wollen Sie alle Ampeln abschaffen, Herr Chorherr?

Politik | Interview: Ingrid Brodnig | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Radfahrer sollen bei Rot fahren dürfen, wünschen sich die Wiener Grünen - zumindest behauptete das der Kurier. Eine Zeitungsente. In Wahrheit hat seine Partei andere Absichten, erklärt der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr.

Sollen Radler bei Rot fahren dürfen?

Nein. Das ist derzeit nicht unsere Priorität. Zwar gibt es dieses Verkehrskonzept nun in Paris, wo Radler bei Rot fahren dürfen. Wir finden das interessant. Wichtiger ist uns die Frage: Brauchen wir überall Ampeln?

Was stört Sie denn an den Ampeln?

Die Ampeln wurden fürs Auto erfunden. In Stadtteilen ohne Autos, wo nur Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind, brauchen Sie keine Ampeln. Derzeit ist es aber so, dass viele Ampelschaltungen fürs Auto programmiert wurden. Fußgänger und Radfahrer haben ewiglange Stehzeiten. Natürlich überqueren dann viele bei Rot die Straße.

Wollen Sie also alle Ampeln abschaffen?

Nein, derzeit werden einige Ampeln umprogrammiert, zum Beispiel vor der Hauptuni. Die Rot- und Grünphasen müssen gerechter verteilt werden. Langfristig wäre meine Vision, in einigen Stadtteilen deutlich weniger Ampeln zu haben. Stattdessen soll es mehr Rücksicht und Ratio der Verkehrsteilnehmer geben.

Ist das nicht gefährlich? Es gibt auch ordentliche Rüpel unter den Radlern.

Für Radfahrer, die laut klingelnd Fußgänger jagen, habe ich auch kein Verständnis. Uns geht’s darum, die allgemeine Rücksicht zu fördern. Eines muss man aber sagen: 95 Prozent der Verletzungen verursachen Autos. Radfahrer sind manchmal ein Ärgernis, gefährlich hingegen sind die Autos.

Zusammengefasst, Radfahren bei Rot ist derzeit gar keine Forderung der Grünen?

Genau, dieses Thema hat der Kurier aufgeworfen und uns gefragt, ob wir das Konzept interessant finden. Ja, wir finden das Konzept interessant, konkretes Programm ist es aber nicht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige