Radikal, parteilich, aber sein eigener Herr: Kurt Tucholsky

Politik | Rezension: Robert Misik | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Eine Biografie erzählt das Leben des großen deutschen Publizisten, der in der Weimarer Republik viel Erfolg, aber wenig Wirkung hatte

Mag die Welt der legendären Publizisten auch nicht arm an Helden sein, so ist Kurt Tucholsky doch eine herausragende Figur. Was Tucholsky nicht alles war: Schriftsteller, Buchautor, Reimschmied, Feuilletonist, Meister des Komischen, Autor von Comedy-Programmen, Kommentator der Tagespolitik, Polemiker. Er ist einer der seltenen Fälle eines Publizisten, der "amüsant und radikal zugleich sein“ kann, wie es ein Zeitgenosse einmal formulierte.

Tucholsky selbst bekam seine Gaben scheinbar mühelos in den Griff, aber doch hatte wohl auch er seine Schwierigkeiten, die multiplen "Ichs“ unter einen Hut zu bringen - dafür legte er sich eine Reihe von Pseudonymen zu. Seine verschiedenen Identitäten rechtfertigte er einmal ironisch so: "Wer glaubt in Deutschland einem politischen Schriftsteller Humor? Dem Satiriker Ernst? Humor diskreditiert.“ Dass einer, der


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