Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Die Reformjuden von Or Chadasch wollen eine eigene Gemeinde

Politik | Ruth Eisenreich | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Sie selbst sehen sich als weltoffen und modern, Orthodoxe sprechen ihnen das Judentum ab. Jetzt wollen die Reformjuden von Or Chadasch (Hebräisch: Neues Licht) eine eigene Gemeinde gründen. Bisher ist die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) die einzige offizielle Vertretung der österreichischen Juden, Or Chadasch fühlt sich aber nicht einbezogen und hat beim Kulturministerium die Gründung einer "Jüdischen Liberalen Kultusgemeinde“ beantragt. Der größte Streitpunkt: Die IKG erkennt Konvertiten, die nach dem Reform- und nicht nach dem orthodoxen Ritus übergetreten sind, nicht als Juden und daher auch nicht als Mitglieder an.

Die Initiative kommt kurz bevor im Parlament eine Novelle des Israelitengesetzes von 1890 beschlossen werden soll: Dann kann nur noch die Israelitische Religionsgesellschaft, eine Art Dachverband der Kultusgemeinden, über die Gründung neuer Gemeinden entscheiden. "Bevor sich die Tür schließt, müssen wir sicher sein, dass liberale Gemeinden eine Zukunft haben“, sagt Giuliana Schnitzler, Vizepräsidentin von Or Chadasch. IKG-Ehrenpräsident Ariel Muzicant nimmt die Pläne von Or Chadasch "gelassen“ auf: "Wir sind guten Mutes, dass dieser Versuch, das Rabbinat zu sprengen, im Sande verlaufen wird.“


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