Mediaforschung  Nachfragekolumne

Herr Merlicek, warum ist Müll prickelnder als Sex?

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Jahrelang sah das Werbekonzept von Vöslauer so aus: Rücke ein verführerisches Model in den Vordergrund, lass es so aussehen, als besuche es gerade ein exklusives Fest und inszeniere die Vöslauerflasche als sein elegantes Modeaccessoire. Methode: Edelsex sells.

Nun ist alles anders. Das Model ist keine lebenslustige Partyqueen mehr, das Model ist eine leergetrunkene Plastikflasche. Erotikfaktor: Die Mitte zwischen nassem Altpapier und schimmelndem Joghurt. Es gibt sie zwar noch, die Frau auf dem Plakat, aber sie rückt in den Hintergrund. Und was man aus der Distanz sagen kann: Sie war nicht auf dem Weg zur Party. Nein, sie bringt gerade den Mist runter.

Müll statt Sex! Warum das denn? Vielleicht deshalb, weil Plastik kein schmuckes Accessoire mehr ist. Selbst für viele, die die Doku "Plastic Planet“ nicht gesehen haben, ist Plastik hochgradig unsexy geworden. Das Umweltimage muss aufgebessert werden. Mit Recycling.

"Mit der Werbung sagen wir danke an die Kunden, weil sie so viele Flaschen zurückbringen. Und wir ermuntern sie, gleich noch mehr zurückzubringen“, sagt Franz Merlicek von der Wiener Werbeagentur Demner, Merlicek & Bergmann. "Je mehr Flaschen zurückgebracht werden, desto größer ist auch der Recyclinganteil.“

Schon jetzt liege der Anteil an recycelten Flaschen bei über 50 Prozent. Nun visiere Vöslauer die 70-Prozent-Marke an. Wenn es 100 sind, können wir Wasser aus Plastikflaschen trinken und nebenbei die Welt retten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige