Enthusiasmuskolumne  Diesmal: das schönste Auto der Welt der Woche

Das Raubtier mit den treuherzigen Augen

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Am 5. April starb Ferdinand Alexander Porsche, Enkel des legendären Käfer-Erfinders Ferdinand. Der von ihm entworfene Porsche 911 kam 1964 auf den Markt und gilt immer noch als Inbegriff des Sportwagens.

Charakteristisch für die Designikone 911 ist die Spannung zwischen dem treuherzigen Blick der großen, aus der Karosserie wachsenden Scheinwerfer und der Aggressivität der zum Heck abfallenden Silhouette, die dem Wagen die Dynamik eines zum Sprung bereiten Raubtiers verleiht.

Die archaisch-schöne Form korrespondiert mit einem radikalen technischen Konzept: Der Motor (bis 1997 luftgekühlt!) brüllt im Heck, damit die Kraft möglichst direkt auf die Hinterachse übertragen wird. Die damit verbundene Hecklastigkeit des Autos, an der frühe Modelle laborierten, wurde in Kauf genommen. Wer schön sein will, muss auch leiden können.

Überhaupt war Ferdinand Alexander Porsche in Formdingen ziemlich kompromisslos. Im Stuttgarter Porsche-Museum kann ein viersitziger Prototyp des 911ers besichtigt werden, der ungefähr so unförmig aussieht wie der vor ein paar Jahren auf den Markt gekommene Porsche Panamera.

Porsche entschied, zugunsten der Linie auf vier vollwertige Plätze zu verzichten; die "Notsitze“ im Fond können nur auf Kurzstrecken schmerzfrei genutzt werden. Aber hey: Das ist ein Sportwagen und kein Minivan!

In den späten 1970er-Jahren schienen die Tage des Modells gezählt, es sollte abgelöst werden. Es kam anders, auch nach fast 50 Jahren ist der 911er immer noch der Porsche.

Sein Erfinder hatte damit längst nichts mehr zu tun; 1972 gründete er seine eigene Firma, Porsche Design, die Accessoires von kühler Eleganz herstellt. Sein Meisterwerk aber bleibt der 911er - nach wie vor die schönste Art, Benzin zu verbrennen.


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