Die Klage der Klappmaulpuppen


Feature: Florian Klenk
Feuilleton | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Ein junger Puppenspieler und ein NS-Überlebender inszenieren die Kindermorde in der Wiener Euthanasieklinik als beeindruckendes Puppentheater

Auf der Bühne sitzt jetzt der kleine Fritz, er trägt einen weißen Pyjama und erbricht. Ein Arzt gibt ihm ein "Speiberl“, wie die Erziehungsinjektionen hier genannt wurden. Ein Pfleger stopft dann dem Buben Tabletten in den Mund.

Der Bub fleht, man möge doch endlich diese Milchglasscheibe im Fenster entfernen. Seit Monaten schon, so wimmert er, sitze er nun hier isoliert am Spiegelgrund. Er würde so gerne die Vögel sehen, seine Mutter besuchen, ein Buch lesen, "bitte, bitte Herr Pfleger!“.

Aber der kleine Fritz soll hier am Steinhof zu Tode gequält werden, so wie es 800 Kindern in der NS-Euthanasieklinik am Spiegelgrund geschah. Wie eine Mumie wickeln ihn die Ärzte nun zur "Wickelkur“ in nasse Fetzen. Zwei Tage dauert es dann, bis die Tücher von seiner Körperwärme getrocknet sind.

Als diese Szenen manche Zuschauer im Publikum des Alsergrunder

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