Eine Erstbesteigung im Jelinek-Zentralmassiv

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Das ganze Jelinektheater (leicht gekürzt) in knapp zwei Stunden: Stefan Bachmann inszeniert "Winterreise“ im Akademietheater

Zum ersten Mal in der Geschichte des Akademietheaters müssen die Zuschauer am Ende nach oben schauen. Olaf Altmanns Bühnenbild für Elfriede Jelineks "Winterreise“ besteht aus einer extrem steilen Schräge, weshalb die Schauspieler nur am oberen Bühnenrand stehen können.

Dass sie Anoraks tragen, wenn sie aus lichter Höhe ins Publikum hinunterwinken, verstärkt den Eindruck, dass hier weniger eine Premiere als ein Gipfelsieg bejubelt wird. Und irgendwie ist es das ja auch: Im Akademietheater fand die österreichische Erstbesteigung eines Achttausenders aus dem Jelinek-Zentralmassiv statt.

In dem voriges Jahr in München uraufgeführten Stück (Falter 6/11) sind die wesentlichen Elemente des Jelinektheaters auf kompakte Weise versammelt: das Private und das Politische, die scharfe Gesellschaftskritik und die bittere Selbstironie. Der Skandal um den Verkauf der


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