Nüchtern betrachtet 

Tunichtgute wecken den Wutbürger in mir

Feuilleton | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

Erfahrungen sind wertvoll. Auch die schlechten. Man kann immer was Neues über sich lernen. Und gelernt muss werden. Für einen lokalen Dichter und Denker, ich hab vergessen welchen, ist zum Beispiel der Flirt mit dem Maoismus einmal eine total wertvolle Erfahrung gewesen. Sie hat ihm gezeigt, dass der Totalitarismus auch in seinem Herzen eine kleine finstere Ecke finde konnte, und das hat ihn irgendwie weiser und stärker gemacht. Den ganzen totalitären Firlefanz schlankweg ablehnen kann ja bald einmal wer, aber diesem einen Spalt weit die Tür zu öffnen, ohne ihm völlig zu erliegen, das muss man erst mal bringen. Außerdem macht es einen interessant. Frauenversteher und Sitzpinkler gibt’s wie Löss am Jangtsekiang, aber Leute, die so ein kleines Feuerchen der Säuberungsgeneigtheit in sich am Knistern zu halten wissen, sind fraglos die sexier Zeitgenossen. Und damit der Maoismus nicht völlig umsonst war, müssen sie immer ihre Selbstkritik rauskrähen. Einfach mal den Schnabel zu


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