Basics  Grundkurs Kochen (153)

Magst du’s schlicht, aber auch toll, dann streu doch Brösel auf Karfiol

Stadtleben | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

D er Karfiol ist der prollige Bruder vom Brokkoli. Und schon der hat es nicht leicht. In den USA, wo man Ketchup für eine Gemüsebeilage hält, werden dumpfe anti-brokkolistische Ressentiments mitunter von ganz oben geschürt: Als George Bush sen. zum Präsident gewählt wurde, erklärte er stolz, in Zukunft keinen Brokkoli mehr essen zu wollen. Da muss einer erst Präsident werden, um sich essen zu trauen, was er auch essen will. Was für ein Waschlappen!

Karfiol hassen die Bushes sicher noch viel mehr, denn Karfiol ist Kommunismus: klassenlos klasses Gemüse. Man entblättere und entstrunke ein Happl dieses herrlichweißen Blütengemüses und tauche es danach erst einmal in einen Topf mit Wasser, damit etwaiges Ungeziefer absäuft. Dann gare man das Teil in Salzwasser oder, wenn man das mit dem Timing hinkriegt, im Kelomat. Al dente ist für Briten, aber Gatsch wollen wir auch keinen: Eine zart ins Baatzige hinüberspielende Konsistenz ist genau richtig, und ein gesund entwickeltes dreijähriges Kind sollte in der Lage sein, den Karfiol mit der Gabel zu teilen.

Jetzt aber der Knaller! Semmelbrösel aus altbackenem Weißbrot im Mixer herstellen oder, falls man Peter Kubelka heißt, auf einem Pre-World War-I-Reibeisen und in heißer Butter anrösten. Obacht geben und ständig rühren: Es darf ruhig dunkelgoldbraun werden, aber pumpernickelfarben ist too much. Die Butterbrösel ordentlich salzen und über den Karfiol streuen. Und wer hernach nicht Shelleys "Ode to the West Wind“ furzen kann, hat was falsch gemacht. KN


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