Tiere

Schön blöd

Falters Zoo | aus FALTER 15/12 vom 11.04.2012

In England wütete ein Shitstorm. Nein, dabei handelt es sich nicht um ein neues meteorologisches Phänomen, bei dem heftige Winde den Inhalt von Klärschlammbecken in der Gegend verteilen, sondern um einen Empörungstsunami. Überbordende öffentliche Entrüstung entlädt sich durchfallartig mit aggressiven, beleidigenden und bedrohenden Kommentaren via Twitter, Facebook und Blogs.

Was war diesmal der Anlass? Die britische Journalistin Samantha Brick hatte für die Boulevardzeitung Daily Mail einen Artikel mit dem Titel "Why Women Hate Me for Being Beautiful“ verfasst und dabei nicht unbedingt neue Aspekte von "Stutenbissigkeit“ beschrieben, einer männerweltlichen Bezeichnung für Konkurrenz unter Frauen. Doch allein der Umstand, dass sie sich dabei selbst als "schön“ bezeichnet hatte, motivierte zigtausende Menschen zu wüstesten Beschimpfungen. Das erinnert an den geschassten Karl-Heinz Grasser, der ebenfalls über den Umweg eines Fanbriefs von sich behauptete, "zu intelligent und zu schön“ zu sein und deswegen zum Ziel einer Neidgesellschaft geworden zu sein. Ja, Schönheit ist eine Bürde. Dieses Problem beschäftigte bereits Darwin, der keine evolutionsbiologische Erklärung für die unnütze und auffällige Pracht der Pfauenfedern fand. Auch alle anderen bunten und optisch herausragenden Lebewesen bereiteten Darwin Albträume, weil sie sich so offenbar dem Prinzip der Anpassung durch natürliche Selektion widersetzten. Denn alle, die zu sehr aus der Menge herausragen, werden leicht und frühzeitig zum Opfer von Raubtieren und Jagdgesellschaften.

Wieso blieben diese "Schönheits“-Gene dennoch erhalten? Wer diese exponierte Lebenssituation trotzdem überlebt, der würde dadurch seine besondere Fitness signalisieren und dadurch noch attraktiver auf potenzielle Geschlechtspartnerinnen wirken, erklärten Vertreter des "Handicap“-Prinzips. Später fand man heraus, dass die langen Federn der männlichen Pfaue kein Hindernis, sondern vielmehr ein guter Schutz gegen Raubtiere sind. Bei einem Angriff können Pfaue diese - so wie die Eidechsen ihren Schwanz - zur Ablenkung abstoßen.

Diese Erklärung ist mir zu trivial, da ich als Autor dieser wunderschönen Kolumne mit makellosem Strichgesicht wöchentlich mit dem Neid der anderen leben muss.

Ich setze da mal sicherheitshalber ein Smiley dazu: ;)

Abstand zwischen Augen und Mund von 36 Prozent der Gesichtslänge und horizontaler Abstand zwischen den Augen von 46 Prozent der Gesichtsbreite.

Goldener Schnitt des Gesichts

zeichnung: püribauer.com


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