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Abend der Punklegenden: Undertones und Flipper

Lexikon | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Geschichtsbewusste Punks stehen am 20.4. vor einer harten Entscheidung. Flipper oder The Undertones, lautet die Frage, und wer an dieser Stelle nur Bahnhof versteht, dem soll geholfen werden. Die Undertones haben sich Mitte der 1970er-Jahre im Norden Irlands gefunden, überregional auffällig wurden sie 1978. Bereits ihre erste Single enthielt damals jenen Song, der den Kultstatus der Band begründen sollte: "Teenage Kicks“. Als der große BBC-Radio-DJ John Peel das Lied erstmals im Autoradio hörte, musste er angeblich am Straßenrand anhalten, weil ihm spontan Tränen des Glücks in die Augen stiegen; später ging "Teenage Kicks“ als Peels Lieblingslied in die Popgeschichte ein.

Mit Aggressivität und Härte hatten die Undertones nicht viel am Hut: Sie waren eher dem kraftvollen und so eingängigen wie verspielten Pop zugeneigt und schufen mit Alben wie "Hypnotised“ Blaupausen für den späteren Indierock. Nach Wien kommt die Band ohne ihren Originalsänger Feargal Sharkey, ansonsten aber dem Vernehmen nach in Topform. Klingt nach einer Einserbank - wären da nicht Flipper aus San Francisco.

Als Punk Anfang der 1980er-Jahre zu Hardcore mutierte, also schneller, härter und auch asketischer wurde, setzten Flipper auf Langsamkeit, offen zur Schau gestellten Drogenkonsum, bösen Humor und eine lustvolle Anti-PC-Haltung. "This is my game: new rules, no rules!“, lautete ihr Credo; "She’s a sex bomb my baby, yeah“ der gesamte Songtext eines ihrer besten Stücke. Als Kurt Cobain 1993 öfters im Flipper-T-Shirt gesichtet wurde, versuchte die Band ein erstes Comeback, vor einigen Jahren half sogar der einstige Nirvana-Bassist Krist Novoselic bei einer weiteren Reunion aus. 2009 wurde ein Wienkonzert kurzfristig abgesagt, jetzt nehmen Flipper einen neuen Anlauf. GS

Arena, Fr 20.00 (Flipper), Chelsea, Fr, 21.00 (Undertones)


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