Kritiken

Stillleben mit Tischuhr, Blume und Leiche

Lexikon | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Er ist der Gunther von Hagens der Fotografie. Der New Yorker Künstler Joel Peter Witkin arbeitet wie der deutsche Anatom mit Leichenteilen. Er fotografiert sie und setzt sie zu Szenen zusammen. Die abgetrennten Schädel zweier Männer pressen die Lippen zu einem Kuss aufeinander. Eine Tischuhr, Obst, Blumen und ein abgeschnittener Arm ergeben ein Stillleben. Die Bilder sind in Schwarzweiß gemacht, ein altertümlicher Look, der durch das Zerkratzen der Negative verstärkt wird. Die Ausstellung "Der Thanatograph“ erinnert an die Collagen der Surrealisten, an deren Vorliebe für Puppen, Automaten und Tatortfotos. Den Bildern eines René Magritte entlehnt ist der Kontrast zwischen traditionellen Genres wie dem Stillleben oder dem Porträt und den verstörenden Inhalten. Einen Witkin hängt man sich nicht unbedingt über den Esstisch. MD

Lust Gallery, bis 26.5.


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