Neu im Kino

"Chronicle“ — wenn die Handkameras schweben

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Handkamera-Kino und kein Ende in Sicht: "We need to document this“, also nehmen die jugendlichen Protagonisten aus "Chronicle“ eine Kamera mit, als sie in das mysteriöse Loch steigen, das auf einer Waldlichtung in den Erdboden führt. Drinnen lässt geheimnisvolle Strahlung Bild und Ton verrauschen; draußen erwachen in den drei High-School-Archetypen - Mauerblümchen aus zerrüttetem Elternhaus, populäres Sportler-Ass und belesener Sinnsucher - telekinetische Fähigkeiten. Was folgt, bewegt sich mit Elan an der Kippe zwischen Superheldenkino und Pubertätshorror à la "Carrie“. Die Inszenierung als Fake-Doku aus "vorgefundenem Material“ erdet den 84-Minüter (Regie: Josh Trank, 27; Buch: Max Landis, 26) in gängigen Youtubeformaten wie Bubenstreich und Krankheitschronik. Bis zum Actionfinale ist die Allgegenwart von Kameras nur mit Mühe durchzuhalten. Eher behauptet fühlen sich die vorgestanzten Entwicklungsachsen der Hauptfiguren an. Unberechenbar bleiben dagegen die übermenschlichen Kräfte selbst: Mit deren feinen Nuancen und unkontrollierbaren Amplituden wurde im Superheldenkino selten so schlau gespielt wie hier.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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