Mittelprächtig: Ein neuer Oliver-Kluck-Text auf der Probebühne des Schauspielhauses

Steiermark | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Mit dem dramatischen Triptychon "Von der Industrie lernen“ widmet sich das Schauspielhaus auf seiner Probebühne der Präsentation eines aufstrebenden Dramatikers: Oliver Kluck (R: Christina Rast). Das dritte und letzte Stück der Reihe stellt unter dem Titel "Mein Name ist Programm“ eine biografische Skizze vor, die in mehreren Stationen den Weg von der Kinderpsychiatrie zum Dichter oder Säufer nachzeichnet.

C. Weinberger inszeniert das, Kluck legt die sprachlich ausgefeilte Montage von Splittern einer Erzählung vor, Rast übersetzt diese gekonnt in formal strenge und dennoch flott gespielte Szenen. Die Ausstattung von Fatima Sonntag begegnet dem bissigen Witz des Autors mit Augenzwinkern und Liebe zum Detail: Bespielbare Schränke werden unter anderem für die Repräsentation unterschiedlicher Lebensabschnitte zum Einsatz gebracht und vermitteln zugleich die allgegenwärtige Enge. Die Bilder, die das engagierte Ensemble in diesen Rahmen stellt, wirken weit freundlicher als der nackte Text, was nicht nur dessen Stärken unterstreicht.

Obwohl - oder gerade weil - seine Story autobiografische Elemente birgt, gelingt es dem Dramatiker nicht, etwaige Klischees zu umschiffen. Allzu oft rutschen die klug gebauten Sätze ab und rollen in Richtung literarischer Déjà-vus davon. Mobbende Mitschüler, spießige Eltern und selbstverliebte Literaturprofessoren geben dann genau das von sich, was man so von ihnen erwartet. Evi Kehrstephan, Verena Lercher oder Rahul Chakraborty machen das Beste daraus: Karikaturen. Das ist oft komisch, meistens böse, aber selten originell.

Schauspielhaus Graz, Probebühne, Mi 20.00


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