Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Es gibt wohl nicht allzu viele Berufsgruppen, die auf stimmungsstützende Getränke so angewiesen sind wie die Journalisten. Die Einrichtung einer sehr basal bestückten Bar (Weinbrand, Wodka, Whisky, Williams), die Wolfgang Kralicek und ich seit Jahren fordern, lässt noch immer auf sich warten, und ich fürchte, es wird redaktionseigene Fritteusen, Waffeleisen und Raclettesets geben, ehe wir die zwei Hocker und vier Schnapsspender spendiert bekommen, die wir seinerzeit auf dem FnekE_2 (das ist das Formular zur Beantragung kulinarischer Einrichtungsgegenstände, die ohne elektrischen Anschluss funktionieren, aber größer als eine Eierharfe sind) ganz offiziell beantragt haben. Generell steht man dem Kollektivismus hier aber mit einem gewissen Ressentiment gegenüber, weswegen schon vor geraumer Zeit ein absurder Individualismus in Sachen Heißgetränkezubereitung Platz gegriffen hat.

Armin Thurnher etwa betritt Redaktionskonferenzen nur noch mit der französischen Espressokanne eines dänischen Herstellers, um dann eine gefühlte Viertelstunde auf das Runterdrücken des Siebes zu verwenden (eine Prozedur, während der den Anwesenden das Atmen untersagt ist). Wolfgang Zwander bevorzugt als Eurokommunist die klassische Bialetti-Methode, wohingegen Birgit Wittstock ihren Hausbesetzerinnenhabitus durch den Konsum von Löskaffee konterkariert. Der dauerhibbelige Benedikt Narodoslawsky ist auf Energiedrinks, wohingegen Wurmdobler und Dusini Schwangerschaftsbeuteltee aus der Melitta-Glaskanne süffeln.

KLAUS NÜCHTERN


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