Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Schönheit!

Falter & Meinung | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Die Krise des psychosozialen Dienstes, Zweiklassenmedizin. Dieser Falter hatte einen Schwerpunkt. Und einen zweiten: Kurt Falks neues Gebäude für seine Tageszeitung Täglich Alles (Thomas Seifert besuchte es), neben einem Porträt des Geschäftsführers der Druckerei Remaprint - "eine Flugzetteldruckerei will den Aufstieg zum Mittelbetrieb schaffen“. Den hat sie geschafft, im Übrigen war die "Flugzetteldruckerei“ die erste, die den Falter druckte.

Und dann der Kulturteil: mit einem großen Interview von Klaus Nüchtern mit der Schriftstellerin Brigitte Kronauer. Wunderbare Passagen über ihr Verhältnis zu Tieren stehen da drin, zu lang, um hier zitiert zu werden. Deswegen nur eine kurze Passage über Robert Musil.

Nüchtern fragt: "Mir scheinen bei Ihnen doch gewisse, zumindest thematische Berührungspunkte mit Musil vorhanden zu sein: etwa was Ekstase, was Mystik im Sinne eines Aus-den-eigenen-Grenzen-Heraustretens betrifft.“

Kronauer: "Ich glaube das auch, aber es ist viel schöner, wenn Sie es sagen.“

Solch eine Harmonie zwischen Berichterstatter und Objekt ist auch in Hans Hurchs Text über den Straub-Film "Antigone“ zu entdecken, der von der Berlinale abgelehnt und von der Kritik übergangen wurde, "als ob der neue Film von Straub/Huillet heute nicht existierte“.

Hurch schrieb: "Man muss diesen Film auf einer großen Leinwand sehen, in seiner rauen, strahlenden monumentalen Lebendigkeit. Das ist das Geheimnis dieser langen, geduldigen Arbeit an der Form: dass am Ende alles zurückkehrt zur reinen, transparenten Oberfläche. Es gibt keine Handschrift eines Autors, keine Hierarchie der Bedeutungen, keine Stilisierung. Vielleicht sind die Straubs die letzten großen Primitiven des Kinos, das mit Griffith und Stroheim begonnen hat. Weiter, sagt Jacques Rivette, sind wir nie gekommen. Ein Kleid, das im Wind weht, eine Stimme, die den Tod einer Unschuldigen beklagt, eine Steinmauer, hinter der tief unten sich eine weite Ebene zum Meer erstreckt, eine Hand, die einen Schleier rafft …“ aT


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