Meinesgleichen

Wolf Martin, der Krone-Reimerich, ist tot

Falter & Meinung | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Diesen Abschied kann man nur schofel nennen. Gerade zehn Zeilen war der Kronen Zeitung ihr Nachruf auf ihren Gedichtemacher Wolf Martin wert, der vergangene Woche in Wien gestorben ist. Und ein paar Lesergedichte, noch schlechter als die vom Lohndichter.

De mortuis nil nisi bene - im Fall Wolf Martin muss man sich sehr bemühen. Dem Kollegen Wolfgang Zwander, der Martin in diesem Blatt porträtierte, sagte er, "den Thurnher les ich immer“. Wir wollen es ihm glauben und es unter die guten Werke rechnen, an denen es ihm sonst doch eher gebrach, zumindest was die sichtbaren Erzeugnisse seiner Reimkunst betraf. Franz Schuh hat treffenderweise die Kronen Zeitung das Zentralorgan der Gegenaufklärung genannt. Unter all den dort verdingten kuriosen Predigtmönchlein war Martin gewiss einer der verquersten.

Wie die meisten von uns hatte er höhere Interessen, aber er verstand sie besser zu verbergen. Als Schuh einmal im tiefsten Floridsdorf, in einem kleinen Jedleseer Heurigen, eine Lesung hielt, sah man Wolf Martin mit seinem Freund am hintersten Tisch sitzen.

Von seinen Gedichten kann man sagen, dass sie sich reimten. Das Ressentiment wollte in der Krone in jede nur denkbare Form gebracht werden. Auch die lyrische durfte sich Dichands Gestaltungswillen nicht entziehen. Dass sich Wolf Martin zu dessen Werkzeug machen ließ, kann man verstehen, aber nicht verzeihen. F


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