Kommentar Bildungsdebatte

Schule ab 9 Uhr: Ja, die Jüngsten sollen ausschlafen dürfen!

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Es ist absurd: Viele Familien raffen sich frühmorgens auf, jedoch nicht, weil Mama oder Papa dringend in die Arbeit müssten, sondern weil das jüngste Familienmitglied Dienstbeginn hat. Um acht Uhr läutet die Schulglocke. Ausgerechnet die Kinder müssen besonders früh einsatzbereit sein.

Dabei hat sich der Lebensrhythmus in der Großstadt verändert: Viele Bürojobs fangen erst um neun Uhr an, einige Kaufhäuser sperren erst um zehn auf. Auch im Schulsystem sollte es einen flexibleren Start in den Tag geben. Wer früh in die Arbeit muss, kann sein Kind bereits um acht Uhr in die Schule bringen, wo es betreut wird. Der Unterricht startet aber erst um neun. Das fordert auch Buchautor Andreas Salcher, der jüngst eine Debatte anstieß, die seit Wochen sehr emotional geführt wird.

Studien plädieren längst für einen späteren Schulbeginn. US-Forscher der Universität Chicago fanden schon 2005 heraus, dass ein früher Start der Konzentration schadet. Auch Forscher des Hasbro Children’s Hospital im US-Bundesstaat Rhode Island kamen zum Schluss: Die ideale Zeit zum Aufwachen sei gegen acht Uhr. Denn Kinder und Teenager haben einen höheren Schlafbedarf. In Österreich jagen wir sie jedoch ganz besonders früh aus dem Bett, zeigt der internationale Vergleich.

Ein späterer Unterrichtsbeginn funktioniert aber nur in einer Ganztagsschule, in die Kinder Freizeit- und Sportmöglichkeiten bekommen sowie bei den Hausaufgaben und beim Lernen unterstützt werden.

In so einer Schule ist es nicht so schlimm, wenn man eine Stunde früher kommt als die Klassenkollegen: Es fühlt sich nämlich nicht nach verlorener Zeit an. F


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