Seid keusch und kuscht

Politik | Bericht: Ruth Eisenreich | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Der "Fall Stützenhofen“ sieht aus wie eine Seifenoper, ist aber ein Ausdruck der Kirchenkrise

Am Altar der Pfarre von Stützenhofen hängt ein Schmetterling aus Papierschnipseln. Zwei Erstkommunionsmädchen haben ihn gebastelt. Unter den Holzbänken wärmen Heizstrahler den Gläubigen die Füße, über der Kanzel verrät ihnen ein LED-Schirm, welches Lied, welcher Vers gerade dran ist.

Zu Beginn der Messe verliest Dechant George van Horick eine Erklärung. Sie richtet sich vor allem an die Journalisten, "falls welche hier sind“. Gerhard Swierzek, den Pfarrer von Stützenhofen, habe die Aufregung der letzten Wochen sehr mitgenommen, er sei jetzt in Erholungsurlaub. Deshalb werde er, der Dechant von Poysdorf, Swierzek die nächsten Wochen vertreten. Mehr werde er zu diesem Thema nicht sagen, er bitte um Verständnis.

Stützenhofen ist ein kleines Dorf, knapp über 100 Einwohner, etwa die Hälfte von ihnen sitzt heute in der Kirche. Man kennt einander, Fremde fallen auf. Eine alte Dame dreht


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