Mediaforschung Nachfragekolumne

Herr Keller, wieso werben Sie mit einem unsichtbaren Auto?

Medien | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Werber tun bekanntlich alles, um aufzufallen. Laut, grell, aufdringlich sind ihre Spots oft. Sie wollen dem Kunden signalisieren: Hallo, hier bin ich, kauf mich!

Einen anderen Weg wählte Jonas Keller. Der Creative Director der Hamburger Agentur Jung von Matt setzte auf Understatement. Er sollte den ökofreundlichen Mercedes F-Cell bewerben, ein Auto, das mit Wasserstoff fährt und keine Emissionen ausstößt. Um den Wagen in Szene zu setzen, ließen ihn die Werber kurzerhand verschwinden. "Unsichtbar für die Umwelt“, so der Slogan.

Ein unsichtbares Auto? Gibt es das wirklich? Ja, mit der richtigen Technik entsteht diese Illusion: Die deutschen Werber montierten ganz viele LEDs auf einem Mercedes F-Cell. Die eine Seite des Ökoautos überzogen sie mit LEDs. Auf der anderen Seite des Wagens montierten sie eine Kamera. Die Kamera registrierte, was im Hintergrund des Wagens passiert, und sendete dieses Signal an die LEDs, die dies als Bild wiedergaben. Das Ergebnis: Für Passanten wirkte der Wagen nahezu unsichtbar.

Eine Woche lang fuhr das Auto durch Deutschland. Die Werber machten daraus ein kurzes Youtube-Video, das mehr als neun Millionen Mal angeklickt wurde. Man sieht darin ein Auto im Tarnkappenmodus und neugierige Passanten. "Virales Marketing“ nennen die Werber das, wenn sich ihre Werbebotschaften wie ein Virus im Netz verbreiten. Und es zeigt, dass Werbung gar nicht laut oder grell sein muss, um aufzufallen. Unsichtbar funktioniert auch.

Ingrid Brodnig


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