Züri brennt, Wien pennt!

Feuilleton | Rezension: Matthias Dusini | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Eine Ausstellung erzählt die Geschichte der Hausbesetzung in Wien als Kampf gegen die kuschelweiche Stadtpolitik

Zwischen Vollbart und Springerstiefel liegen 13 Jahre. Im Innenhof eines halb verfallenen Biedermeierhauses versammeln sich 1975 adrett gekleidete Bürger, vor allem bärtige Männer. Sie rauchen und diskutieren; auch einige Senioren sitzen in der Runde. Von den efeuüberwucherten Wänden bröckelt der Putz. Make Plenum, Not War!

Sommer 1988: Vermummte Jugendliche sitzen auf der Fensterbank eines gründerzeitlichen Hauses in der Aegidigasse. Sie tragen die zerrissenen Jeans und die groben Stiefel der Punks. Die Zeichen stehen auf Sturm. Auch dieses Haus wird abgerissen. Bald werden die Wasserwerfer anrücken und der No-Future-Idylle ein jähes Ende bereiten.

Die Fotos von Karl Heinz Koller und Robert Newald markieren in der Ausstellung "Besetzt!“ des Wien Museums den Pendelschlag einer Bewegung, die sich den Kampf um Freiräume in der Stadt verschrieben hat. Die von Martina Nussbaumer

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