Kinderbuch der Stunde

Das gab’s nur einmal, das kommt nie wieder

Isabella Grossmann | Feuilleton | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Wie schnell sich ein alltäglicher, womöglich lästiger Anblick buchstäblich in Luft aufzulösen vermag, ist am Beispiel der Wandertaube in wenigen Sätzen erzählt. Noch um 1850 verdunkelten riesige Schwärme von Wandertauben den Himmel über den Feldern Nordamerikas; machten sie auf einem Baum Rast, konnte der schon einmal unter ihrer Last bedrohlich ins Wanken geraten. Um die störenden Körnerfresser loszuwerden, wurden regelrechte Jagdwettbewerbe veranstaltet; mit dem Ergebnis, dass schon zwei Jahrzehnte später ihre Zahl merklich zurückgegangen war. Ein Virus gab der Wandertaube dann den Rest, und um 1914 war’s vorbei mit dem schnittigen Vogel.

Selbe Zeit, selber Kontinent, selbes Schicksal: Auf Nahrungssuche fielen Schwärme von Karolinasittichen über Äcker und Obstplantagen her und hatten damit wie die Wandertaube ihren Ruf als Schädlinge weg. Den bunten Vögeln wurde ihr ausgeprägtes Sozialverhalten zum Verhängnis: War ein Sittich verletzt, blieben alle anderen Artgenossen

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